Forum - Portrait, Pfarrblatt im Bistum St. Gallen, 08/2001

Bildhauer und Steinmetz

Christoph Holenstein restauriert an der Kathedrale mit

von Evelyne Graf

"Es war ein langer Weg vom Eisenbetonzeichner zum Steinmetz und Restaurierungsbildhauer", beginnt Christoph Holenstein unser Gespräch in der Baracke unter den Türmen der Kathedrale. Aus seinen Augen leuchtet eine verhaltene Freude, dass er nun sein hohes handwerkliches Können hier am Dom anwenden kann, den erschon von Kindsbeinen an kennt. Als Buben begleiteten sein Bruder und er den Vater zu den Singproben und Orchestermessen auf der Empore des Gotteshauses. Als Sekundarschüler besuchte er drei Jahrelang die "Flade", die katholische Kantonssekundarschule im Stiftsbezirk. Ergehörte ausserdem viele Jahre zur Pfadi "Jürg Jenatsch", deren Präses der damalige Domvikar Markus Büchel war. So war Christoph Holenstein schon in jungen Jahren mit der Kathedrale verbunden.

Langjährige Berufserfahrung

Als Eisenbetonzeichner beim kantonalen Brückenbau fühlte sich Christoph Holenstein nicht ganz zu Hause. Er entdeckte seine Liebe zur Restaurierungsarbeit. So absolvierte er noch die dreieinhalbjährige Grundausbildung zum Steinmetz. Weitere Kurse folgten im In-und Ausland, welche die Spezialisierung zum Restaurierungsbildhauer ermöglichten. Viel profitiert hat er von der UNESCO-Schule in Venedig, wo Steinmetze, Stuckateure, Bildhauer, Restaurateure aus aller Welt miteinander am Werk waren. "Italien ist ein Land, das in der Steinbearbeitung von der griechisch-frühchristlichen Kultur bis zur Moderne auf reiche Kenntnisse und Erfahrungen zurückgreifen kann", erklärt Holenstein. Er selbst verfügt inzwischen über eine gut 20- jährige Berufserfahrung.

Präzisionsarbeit

Dass er von der ARGE-Stein mit Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale beauftragt wurde, freut Christoph Holenstein ganz besonders. Zur Zeit arbeitet er am Wappen von Abt Cölestin Gugger von Staudach (1740-1767), unter welchem sich der Neubau des barocken Doms vollzog. Es befindet sich hoch oben über der Rotunde der Nordfassade und hat Ausmasse von insgesamt 14 m2. Mit dem Punktiergerät werden da, wo ausgebessert werden muss, die Konturen und Formen der alten Steine auf die neuen übertragen. So wird der schadhafte Teil des Figuren- und Verzierungswerks erneuert. Seit Mitte März ist er zusammen mit seinem Angestellten mit der Restaurierung dieses Wappens beschäftigt, und die Arbeit daran wird mindestens noch bis Juni dauern.

Faszination Stein

Für Christoph Holenstein ist es faszinierend, durch seine Arbeit an dem Steinwappen in dasselbe Thema einzudringen, das 1770/80 ein genialer Bildhauer schuf. "Es gilt, gleichsam in einem Zeitsprung die unglaublich schöne und reichhaltige Form, so wie sie ursprünglich war, wieder herzustellen. Es gilt, hineinzuhören in die Formen, die aus einem anderen Lebensgefühl, einem anderen Zeitbegriff, mit anderen Werkzeugen geschaffen wurden. In dem Wappenverlaufen nur die Horizontalfugen gerade. Alles andere ist krumm, geschweift, und zwar nicht nur die Zierelemente, sondern auch die Grundebene der Fassade. Darin lässt sich ein gewaltiger Schwung, eine lebendige Bewegtheit wahrnehmen, alles ist konkav und konvex, Dreieck und Quadrat werden aufgebrochen, der Kreis wird zum Oval, zum "Ochsenauge". Das verlangt bei der Restaurierung neben der Liebe zur Präzision auch ein enormes Vorstellungsvermögen!"

Beruf als Berufung

Ganz besonders grandios findet Christoph Holenstein das Relief "Maria Krönung" hoch oben in der Mitte zwischen den beiden Türmen der Kathedrale. Dieses Figurenwerk zu restaurieren würde ihn ganz besonders reizen. Der Steinmetz und Restaurierungsbildhauer weiss, wovon er redet, das Nachempfinden barocker Formen liegt ihm besonders. Auf seinen Reisen nach Südamerika hat er auch portugiesischen und spanischen Barock kennen gelernt. Dass er seinen Beruf aus Berufung ausübt, spürt man aus der Begeisterung, mit der er über seine Arbeit spricht und auch daraus, dass er sich hoch obenauf den Gerüsten so sicher bewegt wie am Boden und es ihm auch in 70 Meter Höhe nicht schwindlig wird! Ja, "dennbei der Arbeit kann man sich auch selbst vergessen!", sagt Christoph Holenstein mit einem Schmunzeln.

Interesse an alter Bausubstanz

Stichwort «frühere Arbeiten»: Fassadensanierungen sind für den 41-jährigen Christoph Holenstein wirklich nichts Neues. Er hat unter anderem an der Restaurierung der «Krone» in Trogen mitgewirkt, aber auch alten Stadthäusern zu neuem Glanz verholfen. Eine andere Spezialität sind Brunnen-Restaurierungen. Spannende Arbeiten seien da der private Billwiller-Brunnen auf dem Grundstück Leimatstrasse 7 oder der Bleicheli-Brunnen an der Schreinerstrasse gewesen.Christoph Holenstein hat sein Handwerk nach einer ersten Lehre als Hochbauzeichner in Wittenbach gelernt. Danach ging er auf Reisen und arbeitete eine Weile beim Stadttheater als Bühnenplastiker. Seit acht Jahren betreibt er - derzeit mit einem Angestellten - eine Einzelunternehmung. Seine Werkstatt hat er auf dem - «dafür in jeder Beziehung idealen» - Areal der ehemaligen Färberei Sittertal.Christoph Holenstein erledigt alle klassischen Steinmetzarbeiten - vom Grabstein bis zum Brunnentrog. Seine Spezialität ist aber die Restaurierungsbildhauerei. Diese Arbeit, die im Kopieren und Ergänzen bestehender Skulpturen besteht, habe ihn schon immer fasziniert. Das hänge vielleicht mit seinem allgemeinen Interesse am Bauen, an Konstruktionen und an alter Bausubstanz zusammen. Sich mit eigenen Werken selber zu verwirklichen, «war noch nie mein Ding», lächelt der St. Galler Steinmetz.

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