St.Galler Tagblatt, Freitag, 18. August 2010

Gallus wird geflickt

Restaurator Christoph Holenstein saniert zurzeit den Brunnen auf dem Gallusplatz. In einem Monat sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Kosten belaufen sich auf rund 40 000 Franken.

von Yvonne Bugmann

Christoph Holenstein klopft Gallus auf den Rücken, horcht genau hin. An manchen Stellen ist der Ton dumpfer, an manchen heller. «Hier hat es Zonen mit Schalenbildung», erklärt der Restaurator und deutet auf den Rücken der Sandsteinfigur. «Das ist typisch für den St. Margrether Sandstein.» Mit einem Stift markiert Holenstein die beschädigten Stellen. Von aussen ist nichts zu sehen, doch der Schein trügt: «Die Oberfläche ist intakt, aber dahinter hat es eine versandete Fläche», erläutert Holenstein die Schalenbildung. «Versandet der Stein weiter, bricht irgendwann ein Teil der Figur ab.»

Gerüst ohne Arbeiter

Der neuneckige Brunnen auf dem Gallusplatz aus dem Jahr 1936 ist derzeit wasserfest eingerüstet. Brunnentrog wie Gallusfigur haben in den letzten Jahren ordentlich gelitten. Damit die Figur nicht weiter versandet, hat sie Holenstein noch vor den Ferien mit Kieselsäureester getränkt, einer Art Bindemittel. Der Verfestigungsprozess dauerte sechs Wochen. Für das Verfahren mussten die Figur wie auch der Raum trocken sein, deshalb wurde der Brunnen eingerüstet. Es seien immer wieder Passanten auf ihn zugekommen, die wissen wollten, warum denn der Brunnen zwar eingerüstet, aber niemand dort am Arbeiten sei, erzählt Holenstein schmunzelnd. «Ich habe dann immer geantwortet, dass der Stein schon am Arbeiten sei.»

Risse flicken

Seit dem Ende der Sommerferien ist Holenstein mit der eigentlichen Restaurierung des Brunnens beschäftigt – mit den sichtbaren Arbeiten. Nicht nur die Schalenbildung ist ein Problem. Mancherorts hat es Risse, die geflickt werden müssen, und auch am Brunnentrog stehen Reparaturarbeiten an. «Überall dort, wo Metallteile auf Stein treffen, müssen wir flicken», sagt Holenstein. Er rechnet mit einer Arbeitszeit von etwa einem Monat, «das ist abhängig von der Anzahl Schadstellen». Gemäss Wendelin Germann vom Hochbauamt dürften die Sanierungsarbeiten etwa 40 000 Franken kosten.

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