St.Galler Tagblatt, 2001

Christophorus erholt sich vom Verkehr

Die Christophorus-Figur am Ostende der Fürstenlandbrücke wird saniert. Wetter und Verkehr hatten ihr in den letzten fast 60 Jahren hart zugesetzt.

von Clemens Nef

Lange hat er durchgehalten, der Christophorus bei der Fürstenlandbrücke. 1944 wurde die Figur geschaffen. Nach dem Bau der Fürstenlandbrücke und nach ihrer Freigabe für den Verkehr 1941 wurde ein Wettbewerb zur Fertigung einer Figur ausgeschrieben. Wilhelm Meier gewann mit seiner Idee, eine Christophorus-Figur zu schaffen.

Wind, Regen und Verkehr

Sie zeigt Christophorus, der durchs Wasser watet. Auf den Schultern trägt er Christus mit der Weltkugel. Damit wird bildlich auf das Überqueren einer unwegsamen Passage verwiesen. In den letzten 57 Jahren wurde Christophorus aber nicht das Überqueren der Sitter zum Problem, sondern viel mehr Wind, Regen, Verkehr. Der Steinmetz Christoph Holenstein arbeitet mit einem Angestellten seit einer Woche an der 2,70 Meter hohen Figur. «Sie soll wieder so originalgetreu wie möglich aussehen», sagt er. Der Mägenwiler Muschelkalk, aus dem die Figur geschaffen wurde, zeige eine extreme Schichtung, die viel Angriffsfläche für Umwelteinflüsse biete, erklärt Holenstein.

Flechten- und Gipsbildung

Die Figur steht an äusserst exponierter Lage. Nicht nur der Verkehr über die Brücke rollt an ihr vorbei, sondern auch der in Richtung Stocken/Chräzeren. Damit werde die Figur «mit einem Höchstmass an Schadstoffen» belastet, sagt Holenstein. Neben dem Verkehr hat aber auch das Wetter einen nicht kleinen Anteil am Schaden der Figur. Sand und Ton werden vom Regen aus den natürlichen Lagerschichtungen rausgewaschen, erklärt Christoph Holenstein. Dadurch könnten immer grössere Risse entstehen, die die Figur schliesslich sprengen könnte. Man spreche von der sogenannten Wettererosion, welche es bei jedem Stein gebe. Diese Risse müsse man nun schliessen mit einer Art mineralischem Mörtel. Auch Flechten und Gips hätten sich am Christophorus gebildet, ergänzt Holenstein. Durch den Schwefel in der Luft sei Gips entstanden, welcher dann abblättert. Besonders die Wetterschattenseite - wo der Regen nicht hingelangt - sei davon stark betroffen.

Die Figur begleiten

Wenn alles gut geht, sollen die Arbeiten bereits Ende dieser Woche abgeschlossen sein. Wie lange werden sie halten? Nochmals fast 57 Jahre? Schwer zu sagen, meint Holenstein. Man wolle die Figur aber in den nächsten Jahren begleiten und alle paar Jahre die nötigen Ausbesserungen vornehmen. «Sandstein jedenfalls wäre schon lange nicht mehr da.»

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