St.Galler Tagblatt, 6. September 2002

Ein Beruf wie in Stein gemeisselt

von Audrey Jourdan

«Vor 20 Jahren wusste ich gar nicht, dass es den Steinmetz überhaupt noch gibt», sagt der 42-jährige Christoph Holenstein heute. Den Steinmetz gibt es sehr wohl noch, und sein Handwerk hat sich während Hunderten von Jahren auch kaum verändert. Der gelernte Bauzeichner Holenstein ist fasziniert vom Material Stein. Als Steinmetz müsse man sich für alte Substanzen begeistern können. Und genau das käme in der heutigen kurzlebigen Gesellschaft zu kurz. «Natürlich bin ich dafür, Neues zu schaffen. Aber man muss auch dem Alten Sorge tragen. Das sehe ich als meine Verpflichtung», so Holenstein.

Lieber Stein als Plastik

Einen Lieblingskünstler hat er nicht. Auch gibt es kein Denkmal, das er unbedingt einmal restaurieren will. Die Inkastätten in Südamerika haben ihn allerdings «umgehauen». Die Detailarbeit sei dort besonders bemerkenswert. «Ich weiss nicht, ob ich die Geduld für eine solche Arbeit hätte.» Eine Zeit lang hat er im Theater als Plastiker viel mit Gummi und Styropor gearbeitet. Allerdings sei ihm dieses Material zu wenig beständig gewesen. Also kehrte er zurück zum Stein. «Das Besondere am Stein ist, das man aus ihm etwas Bleibendes schaffen kann.» Holenstein arbeitet zurzeit an der Renovation der St.Galler Kathedrale. Zur Arbeit eines Steinmetz gehöre auch das Schaffen von Grabmälern und Brunnen. Besonders stolz ist er, dass er den Auftrag bekam, Wilhelm Meiers Gallusfigur, die jahrelang vor dem Historischen Museum St.Gallen stand, zu kopieren. Die Kopie steht nun erneut am alten Platz, das Original in seiner Werkstatt. Das Museum will das Original nicht mehr.

Wo bleibt der Nachwuchs?

Holenstein stellt fest, dass immer weniger junge Leute sich für seinen Beruf interessieren. Der St.Galler Steinmetz erhofft sich vom Tag des Denkmals, dass die Besucher für alte Substanzen und Bauten sensibilisiert werden. «Vielleicht kann dieser Tag einen neuen Trend setzen, und die Jungen wollen alle Steinmetz werden», sagt Holenstein und lacht. Am Tag des Denkmals stellt Christoph Holenstein im Atelier Wilhelm Meier sein Handwerk vor.

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