St.Galler Tagblatt, 1. November 2011

Neue Fassade, neue Köpfe

Das Gebäude an der Bankgasse 9 wird saniert. Das Eckhaus mit den Bogenfenstern, zwölf Sandsteinköpfen und einem Zwiebelhauben-Erker diente einst als Volksküche und wurde 1902 erbaut.

von jag

Neuerdings umgeben Pflastersteine das mächtige Eckhaus an der Bankgasse 9 in der südlichen Altstadt. Der neue Strassenbelag passt so gar nicht zum abgeblätterten Verputz und den bröckelnden Sandsteinköpfen über den Bogenfenstern. Immer wieder hat das verlotterte Gebäude zu reden gegeben. Nun soll es seinen alten Glanz zurückbekommen. Die Fassade wird saniert, wie es auf der Baustelle heisst.

Speiseanstalt und Möbelhaus

Das Haus wurde 1902 vom Architekten August Hardegger für die Volksküche AG gebaut. Bis 1944 diente es gemäss Gitta Hassler vom Stadtarchiv als öffentliche «Volks-Speiseanstalt». Täglich kehrten dort bis zu 1000 Menschen ein, um sich mit gesunden Speisen zu günstigen Preisen zu verpflegen. Oder auch nur, um sich aufzuwärmen. Es gab ausschliesslich alkoholfreie Getränke. Männer und Frauen assen in getrennten Sälen.

Letztmals 1964 saniert

1944 wurde die gemeinnützige Aktiengesellschaft aufgelöst, die Volksküche zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Seither gehört es der Familie Siegle. Im Parterre betrieb sie einst ihr Möbelgeschäft. Heute ist hier der Snowboard- und Skateshop Beach Mountain untergebracht. In den oberen Stockwerken befinden sich Wohnungen. Letztmals wurde das Gebäude mit dem Zwiebelhauben-Erker und dem charakteristischen Dach 1964 saniert und teilweise «purifiziert».
In den kommenden Monaten soll die Fassade renoviert, der Sandstein teilweise erneuert werden. Auch das Vordach auf der Giebelseite soll rekonstruiert werden. In den Genuss einer Sanierung kommen auch die zwölf Steinfiguren über den Fenstern des Erdgeschosses. Es sind vorwiegend Männerköpfe, die die Symbole der Tierkreiszeichen darstellen und von Bildhauer Henri Gisbert Geene geschaffen wurden.

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