St.Galler Tagblatt, 11. Juli 2014

Brunnenfigur lässt auf sich warten

Die Rekonstruktion der zerstörten Brunnenfigur sollte eigentlich noch während der Sommerferien an ihren angestammten Platz im Volksbad zurückkehren. Doch daraus wird nichts. Der französische Kalkstein, aus dem das Original bestand, ist nicht mehr aufzutreiben.

von Jeanette Herzog

Gestern morgen war Krisensitzung. Vertreter des Hochbauamts und der Denkmalpflege haben sich gemeinsam mit Steinmetz Christoph Holenstein getroffen, um über die sogenannte «Seele des Volksbads» zu diskutieren. Die Skulptur prägte seit der Eröffnung des Bades 1906 die Stirnseite des Schwimmbeckens. Letzten Sommer wurde sie abmontiert, völlig zerfressen vom Chlorwasser.

Zu kleine Steine

In diesen Wochen hätte die Rekonstruktion den Platz des Originals einnehmen sollen. Das wird sie nun aber nicht – oder zumindest noch nicht. «Das Problem liegt beim Material», sagt Steinmetz Christoph Holenstein. Der französische Savonière-Kalkstein sei früher in grossem Stil abgebaut worden. Heute gebe es nur noch in Frankreich drei Steinbrüche, die ihn vertrieben. Trotz monatelangem «Warten, Hoffen und Bangen» sei es nicht möglich gewesen, ein Stück in den nötigen Dimensionen aufzutreiben. Für die wasserspeiende Schildkröte, auf der zwei Kinder sitzen, und den Wassermann, der über die Kinder wacht, müsse «ein Riesentrümmer» her, sagt Holenstein.

Nicht ohne die Brunnenfigur

Die Figur aufzugeben, kommt für Denkmalpflegerin Katrin Eberhard nicht in Frage. Die Skulptur sei ein «so wahnsinnig wichtiger Bestandteil des Volksbades, auf sie verzichten würden wir erst, wenn das Jugendstilgebäude einmal abgerissen werden sollte», sagt sie. Gestern wurde deshalb beschlossen, das Deutsche Naturstein-Archiv damit zu beauftragen, einen Alternativstein zu suchen. In der Beschaffenheit, der Oberfläche und der Art der Bearbeitung soll er dem Savonière-Kalkstein möglichst nahe kommen. «Doch wenn wir schon ein anderes Material verwenden müssen, dann soll es auch chlorbeständiger sein als der Originalstein», sagt Eberhard.
Sie hofft darauf, dass bis Ende September eine Alternative ausgesucht werden kann. Bis Weihnachten sollte der Stein da sein, so dass Steinmetz Holenstein mit der Arbeit beginnen kann. Das nächste Zeitfenster für den Einzug der neuen Figur wäre während der Sommerferien 2015. «Garantieren können wir aber nicht, dass bis dahin alles fertig ist.» Mehr Hoffnung als Gewissheit ist auch, dass der Kostenrahmen von 120 000 Franken eingehalten werden kann.

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