Im und am Schloss Oberberg in Gossau stehen Renovationen von 540 000 Franken an.

St.Galler Tagblatt, 5. April 2006

«Schlossherren» auf Geldsuche

Im Gossauer Schloss Oberberg soll wieder vermehrt kulturelles Leben einkehren: Das wünscht sich der Förderverein Schloss Oberberg. Er wünscht sich aber auch mehr Mitglieder und damit Beiträge, um die notwendigen Renovationen durchführen zu können.

von Rita Bolt

Derzeit wird das von Abt Blarer von Wartensee im 17. Jahrhundert angebrachte Sandsteinrelief an der Südfassade des Schlosses Oberberg restauriert. Die Kosten von 20 000 Franken übernehmen das Amt für Denkmalpflege, die Politische Gemeinde Gossau und der Förderverein Schloss Oberberg. Nicht gesichert ist die Finanzierung von weiteren Projekten. Beispielsweise soll die Folterkammer mit dem Original-Pranger, die heute als Möbellager genutzt wird, wieder dem Publikum zugänglich gemacht werden. Die veranschlagten Kosten dafür betragen 10 000 Franken. «Das Schloss Oberberg ist eines der wenigen, wenn nicht das einzige Schloss in der Schweiz, das noch über eine authentische Folterkammer verfügt», sagt Alex K. Fürer, Präsident des Fördervereins Schloss Oberberg.

Haupteinnahmequelle ist Pacht

Erneuert werden müssten die Fenster, die Aussenfassade und einzelne Zimmer brauchten neue Anstriche, in der Restaurant-Küche müssten Geräte und die Tiefkühlzelle und Kühlzelle ersetzt werden. Dringend sei die Erneuerung der Liftanlage, sagt Fürer. «Wir wollen, dass auch behinderte und betagte Menschen problemlos Zugang zum Schloss haben.» Das sei jetzt nicht der Fall. Der jetzige Lift sei bei den Kühl- und Tiefkühlzellen und im oberen Stock hinter dem Buffet des Restaurationsbetriebes angeordnet. Die Erneuerung der Liftanlage wird mit 350 000 Franken veranschlagt. Um die genannten Anpassungen vorzunehmen, braucht es Geld. Der Förderverein rechnet mit Kosten von 540 000 Franken. «Das reicht aber nur für eine Minimalvariante», betont Fürer. Der Förderverein Schloss Oberberg allein kann diese finanziellen Mittel aber nicht bereitstellen. Aus der Pacht des Restaurationsbetriebes, der Haupteinnahmequelle, würden jährlich zwischen 40 000 und 45 000 Franken eingehen. Dem Förderverein gehören derzeit etwa 250 Mitglieder an, dank der Mitgliederbeiträge kämen etwa 28 000 Franken zusammen. Das vorläufige Ziel sei es, die Mitgliederzahl auf 300 zu erhöhen. Die Mitgliederwerbung laufe. «Das Ziel des Fördervereins ist es, das Schloss längerfristig zu erhalten», erklärt Fürer. Der Förderverein hat bei verschiedenen Stiftungen und Unternehmen um finanzielle Unterstützung gebeten. Fürer konnte die ersten Resultate vermelden: Coop Ostschweiz-Ticino hat einen Betrag von 15 000 Franken zugesichert, die Raiffeisenbank Gossau-Niederwil einen solchen von 3000 Franken. Die Metrohm Stiftung Herisau bezahle einen Beitrag von 60 000 Franken. Gestern hat auch die Swissregiobank einen Beitrag von 50 000 Franken zugesichert. Und alle, die mehr als 5000 Franken spenden, werden im Schloss auf einer goldenen Tafel verewigt.

Für 20 000 Franken

Der erste urkundliche Beleg des Schlosses gehe auf das Jahr 1262 zurück. Erst 1924 ging das Schloss in Gossauer Hände über: Die Genossenschaft Oberberg wird gegründet. Sie hat das Schloss für 20 000 Franken von Privatbesitzer Otto Walter-Kuratli gekauft. Am 11. November 2004 wurde die Genossenschaft liquidiert und der Förderverein gegründet.

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